planen und fahren

planen und fahren

Der Weg ist das Ziel …

… zumindest in aller Regel beim Motorradfahren in der Freizeit. Und hier im Blog soll es darum gehen, verschiedene Varianten aufzuzeigen, wie man das bewerkstelligen kann – von ganz einfach und „old-school“ bis „High-Tech“, wo man schnell mal vergessen kann, dass man eigentlich Moped fahren wollte – aber die Navi-und Routenplanungs-Technik hat eben auch so ihre Reize (und Tücken).

Varianten

Quelle: pixabay

einfach drauf los – „Gedächtnis-Routing“

Das ist ein Fall für die typische Hausstrecke: abends nach der Arbeit noch schnell eine Runde um den Block drehen. Die Strecke ist bekannt, die Planung reduziert sich auch die Auswahl der bekannsten Strecke oder dem spontanen Zusammenwürfeln mehrerer bekannter Streckenabschnitte zu einer neuen Route.

Oder man fährt in die etwas weitere Region und orientiert sich grob an den Straßenschildern und überlässt die kleinräumige Streckenauswahl der Intuition. Dabei kann man herrliche Zufallstreffer landen, die eben nicht auf den ausgefahrenen Standard-Routen liegen. Aber man kann auch von Autobahn-Zubringer zu Bundesstraße pendeln während direkt nebenan die kurvige Wahnsinnsstrecke liegt – die man auf der Karte gleich entdeckt hätte.

Der Klassiker: Karte im Tankrucksack

Das ist die einfachste aber wie ich finde anspruchsvollste Variante: eine Papier-Karte mit einer eingezeichneten Route, die man daheim mt dem Autoatlas oder verschiedenen anderen Kartenwerken erarbeitet hat. Anspruchsvoll finde ich dabei, dass man immer die Orientierung behalten muss weil man ja während der Fahrt nicht ewig auf die Karte starren kann – es fehlt der blaue Pfeil mit der aktuellen GPS-Position …

Und das ist der größte Vor- und Nachteil der Papierkarte gegenüber dem Navi:   das Navi verleitet dazu, immer diesem blauen Pfeil hinterherzufahren ohne nach der Fahrt auch nur den geringsten Schieber zu haben, wo man den ganzen Tag über war. Auf der Karte sieht man immer einen großen Ausschnitt der Umgebung, man muss sich orientieren und so bekommt man sehr viel besser mit, wo man denn so herumzischt.

Andererseits ist man immer wieder auch mehr oder weniger stark vom Verkehr abgelenkt, zumal es die Position des Tankrucksacks erzwingt, dass man immer wieder den Kopf ziemlich weit herunternimmt. Für die nachfolgenden Fahrer auf einer Tour immer wieder mal ein Push für Blutdruck und Puls ….

Die Roadbook-Rolle für den Enduro-Profi

Das kenne ich nicht aus eigener Erfahrung, ich nehme auch mal an, dass diese Geäte vorzugsweise im Rally- und Endurobereich vorkommen wo man sich Biegung für Biegung aufbereitet. Weil was macht man sonst im Fall einer Baustelle ? Aber wer hier Erfahrungen hat, kann sich gerne bei mir melden, das würde mich interessieren.

Das normale Navi im Tankrucksack oder Lenker-Halterung

Das ist die erste Stufe der Navi-Evolution auf dem Moped: ein herkömliches Zubehör-Navi, dass man irgendwie auf’s Moped schnallt.

Die erste Herausforderung: wie setze ich das Teil sinnvoll ein für meine Tour ? Typischerweise lösen diese Geräte ganz hervorragend die Aufgabe „leite mich auf dem schnellsten Weg von A nach B“ – wir wollen aber auf dem schönsten/kurvigsten/aussichtsreichsten/autofreiesten Weg nach B. Je nach dem, was das Gerät bietet, gibt es hier unterschiedliche Lösungswege:

  • mit Zwischenzielen kann man sich den gewünschten Streckenverlauf modellieren. Je nach dem, welche Möglichkeiten das Navi bietet, kann man hier schon ziemlich nah an das gewünschte Ziel herankommen
  • mit Optionen wie „Autobahnen vermeiden“ verhindert man schon mal, dass man auf der sechsspurigen Hochgeschwindigkeits-Trasse landet
  • auch das Optimierungsziel „kürzeste Strecke“ kann für Kurzweil und interessante Einblicke in diverse Hinterhöfe sorgen

Die nächsten Herausforderungen ergeben sich daraus, dass die Geräte für den Auto-Innenraum designed sind und nicht für das Motorrad: wie versorge ich das Ding mit Strom, wie und wo befestige ich das Navi auf dem Motorrad und was mache ich, wenn es regnet und ich noch 120 km schaffen muss heute ?

Das Smartphone mit der richtigen App

Smartphones sind inzwischen vor allem „smart“ und immer weniger „Phone“ – und es gibt inzwischen auch einige interessante Apps zur Motorrad-Navigation. Die Vorteile dieser Variante liegen darin, dass inzwischen jeder ein Smartphone besitzt und damit die Hardware vorhanden ist, während die Kosten für die Software oft überschaubar bleiben.

Nachteilig ist, dass die Smartphones nicht für diesen Einsatz als Motorrad-Navi konzipiert sind. Also muss man sich bei der Befestigungsart entsprechend darauf einstellen um Vibrationen, Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit zu kompensieren.

Ich bin schon einige Touren problemlos mit dem Smartphone gefahren, ich würde es aber nicht risikieren, mit einem teuren High-End-Luxusgerät hier an den Start zu gehen. Aber man wird durch die Software-Ausstattung in die Lage versetzt, vorgeplante Routen vom heimischen PC oder aus diversen Foren zu übernehmen und sich beqeuem führen zu lassen.

Spezialisierte Motorrad-Navis

Diese Spezies bietet inzwischen ebenfalls eine gewisse Spannbreite an. Das dürfte zum Einen daran liegen, dass Moped-Fahrer im Schnitt eine zahlungskräftige Klientel sind, zum Anderen müssen die Navi-Hersteller die Einbrüche im Segment der herkömmlichen Navis ausgleichen um ihre Geräte loszuwerden. Demzufolge gibt es Geräte, die tatsächlich den speziellen Anforderungen auf dem Motorrad gerecht werden und andere, die vor allem umgelabelt wurden und mit Alibi-Features auf das Thema „Motorrad“ adaptiert wurden.  

Der amtliche Motorrad-Touren-Planungs-Workflow

Natürlich gibt es nicht den einen „amtlichen“ Weg, weil jeder anders gestrickt ist und schon alleine der technologische Spieltrieb sowie die Größe des Portemonnais bestimmte Lösungen forciert und andere ausschließt. Deshalb zunächst ein grober Überblick, um darüber die einzelnen Möglichkeiten vorstellen zu können. Selbstverständlich sollte sich jeder seinen Weg zusammenbasteln und auch bei aller Planung sich seine Spontaneität bewahren

Ein Sicherheitshinweis vorweg:

Gaaaaanz wichtig: Sicherheit und die eigene Einschätzung im Verkehr geht vor ! Gerade bei meinen ersten Navi-Versuchen war ich immer wieder mal so fasziniert von der Technik dass ich den Rest etwas vergessen habe und z.B. mal über eine Kreuzung gebrettert bin weil das Navi mir nicht gesagt hatte dass ich keine Vorfahrt habe – es kam glücklicherwiese niemand. Beliebt auch der immer wieder als aktuelle News lancierte Bericht, dass irgendjemand im Fluss gelandet ist weil er eine Fährlinie im Navi als Straße interpretiert hat. Auch wenn das „Fake-News“ sein sollten – aber auf jeden Fall vorstellbar.

Planung

Auch wenn die aktuellen Smartphone-Apps und Motorrad-Navis häufig eine Routenplanung unterstützen bevorzuge ich die Planung daheim am PC. Für unterwegs ist das ein nettes Gimmick, aber die Geräte alleine sind zu klein um eine echte Karte ersetzen zu können. Für die Touren-Planung gilt für die Kartengröße derselbe Grundsatz wie für Hubraum: die Kartengröße ist durch nichts zu ersetzen außer durch eine noch größere Karte. Na ja, nicht ganz: hier hilft auch ein intelligenter Routing-Algorithmus.

Entweder man plant eine eigene Route oder bedient sich der Routen anderer Motorradfahrer, die auf den einschlägigen Portalen ausgetauscht werden können.

Route transferieren

Sobald die Route fertig geplant ist muss man sie auf das mobile Gerät laden. Hierfür haben sich Austauschformate etabliert, die technisch den gemeinsamen Nenner beschreiben wie z.B. das GPX-Format. Inhaltlich müssen bei den Austausch-Dateien einige Besonderheiten und Begrifflichkeiten beachtet werden (Tracks, Waypoints etc) um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Navigation

Unter „Navigation“ verstehe ich das, was dann irgendein System auf dem Moped leistet: mich auf der vorgeplanten Route entlang führen. Das kann ein einfaches Tracking sein, bei dem die geplante Route einfach auf der Hintergrundkarte dargestellt wird und ich mich daran orientieren kann – eine einfache aber gerade auch deshalb praktikable Lösung.

Einen Schritt weiter gehen Lösungen, bei denen man an das Navi nur Zwischenziele übergibt und das Navi die konkrete Streckenführung zum nächsten Zwischenziel dann selbst berechnet. Hier muss man darauf achten, dass die Zwischenziele so gesetzt werden, dass auch die gewünschte Streckenführung dabei herauskommt ohne zu viele Zwischenziele erfassen zu müssen (insbesondere dann, wenn die Anzahl der Zwischenziele technisch begrenzt ist). Das benötigt einige Erfahrungswerte – wenn das Navi plötzlich umdrehen und die Straße zurück will hat es wohl nicht gepasst.


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